Stephan Gruber

Stephan Gruber

Permafrost in den Alpen – vor 15 Jahren was dies eine kaum bekannte Nische in der wissenschaftlichen Forschung. Heute sind „bröckelnde Berge“ durch das Auftauen von Permafrost ein allseits bekanntes Thema. Dieser Vortrag erläutert Grundlagen und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Veränderungen und auf Gebirgsregionen außerhalb der Alpen.

Permafrost ist Gestein oder Lockermaterial, das über lange Zeit hinweg (oft Hunderte oder Tausende von Jahren) nie wärmer als 0° C war. Dies ist deswegen interessant, weil es dann Eis enthalten kann und dieses die Eigenschaften des Materials grundlegend verändert (Beispiel Sandkasten: trockener, nasser oder gefrorener Sand). Weil sich im Sommer meist eine Auftauschicht nahe der Bodenoberfläche bildet ist Permafrost fast immer mehrere Meter tief verborgen und deshalb schwer zu kartieren oder zu untersuchen. Im Gebirge, wo man innerhalb von kurzer Distanz von einer schattigen Nordflanke in einen warmen Südhang gelangen kann und zusätzlich große Unterschiede in der Meereshöhe herrschen, ist also schon die Frage wo überhaupt Permafrost im Untergrund zu finden ist schwierig zu beantworten. Gletscher sind kein Permafrost.

Die Stabilität von Gebirgsflanken und von Lockermaterial wir von vielen Faktoren bestimmt. Die mechanischen Eigenschaften von Untergrundmaterial und die Wassersättigung sind zwei dieser Faktoren und können von Permafrost maßgeblich beeinflusst sein. Ein Auftauen kann deshalb zu sehr schnellen Veränderungen führen, die in manchen (aber eben bei weitem nicht allen) Fällen Felsstürze oder Murgänge auslösen. An vielen Orten im Gebirge existiert Lockermaterial das, stabilisiert von Permafrost, über lange Zeit vor Erosion geschützt war. Ein schnelles Auftauen ist dort vergleichbar mit dem „Schlachten eines Sparschweins“:  Lockermaterial wird über lange Zeit angesammelt und dann sehr schnell für z.B. Murgänge verfügbar gemacht. Das Erwärmen oder Auftauen von Permafrost (den wir an der Oberfläche nicht sehen können) kann also in manchen (wir wissen meist nicht genau welchen) Situationen zu unangenehmen Überraschungen führen. In steiler Gebirgstopographie können diese im Extremfall eine Reichweite von mehreren Kilometern und damit bis in die Talsohlen haben.

Die Alpen sind seit langer Zeit bewohnt, mit dichter Infrastruktur durchzogen und sehr gut untersucht. Der größte Teil der Permafrostforschung im Gebirge findet und fand in den Alpen statt. Die größte (oder zumindest vergleichbare) Relevanz von Gebirgspermafrost mag aber in anderen Regionen liegen. Große Projekte wir Minen, Stauseen oder Pipelines bedingen ein immer größeres Interesse am Verständnis von Permafrost im Gebirge und seiner Veränderung. Und oftmals vergessen: In der Hindukusch Himalaya Region z.B. leben sehr viele Menschen in unmittelbarer Nähe von Permafrost. Um unser Wissen aus den Alpen optimal zu nutzen, müssen wir es also auch auf andere Gebirgsregionen erweitern.

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