Dr. Michael Vogel

Dr. Michael Vogel

Der einzige Nationalpark in den deutschen Alpen befindet sich in der Region Berchtesgaden: ein großer, unzerschnittener Landschaftsraum mit einer Größe von rund 210 Quadratkilometern und einem Höhengradienten von 600 m NN bis über 2.700 m NN. . Ein Nationalpark, in dem der Mensch gegenüber der Natur und ihren Abläufen zurücksteht und wo sich Ökosysteme in der Gesamtheit ihrer Prozesse frei entfalten können. Ziel ist es nicht, die Natur in eine vermeintlich richtige Richtung entwickeln. Vielmehr wird Natur geschützt, wie sie wirklich ist, und nicht wie der Mensch sie gerne hätte. Dabei wird bewusst auf jede Wertung des Geschehens verzichtet und Extremereignisse sind dabei natürliche Bestandteile der Abläufe.

Der überwiegende Teil des Nationalpark Berchtesgaden dient dem Prozessschutz mit möglichst geringen direkten menschlichen Einwirkungen. In der Kern- oder Prozesszone kann gezeigt werden, wie sich die biologischen Systeme aufgrund des Klimawandels ohne menschliche Eingriffe anpassen und verändern. Der Ausgangszustand wird deshalb durch langfristige Monitoringprogramme erfasst, Änderungen müssen in definierten zeitlichen Abständen ermittelt werden. Aus den ergebnisoffenen Auswertungen können anschließend Handlungsoptionen für Maßnahmen außerhalb von Schutzgebieten abgeleitet werden.

Der Hochgebirgsnationalpark Berchtesgaden ist ein großes Freiluftlaboratorium, in dem schon seit Jahrzehnten zu Veränderungen der Landschaft, zu Geologie, Fauna, Flora, Wetter, Klima, Klimaänderung und deren Folgen geforscht und beobachtet wird. Seit Beginn der 80-iger Jahre werden alle erhobenen Daten in einem Geographischen Informationssystem (GIS) verwaltet und stehen der Auswertung und Weiterverarbeitung zur Verfügung, z.B. zur Entwicklung von Szenarien, also dem Versuch eines Blickes in die Zukunft.

Schilderkonzept

Schilderkonzept

An konkreten Beispielen aus dem Nationalpark Berchtesgaden wird skizziert, wie der Ausgangszustand zu bewerten ist, welche Auswirkungen der Klimawandel bisher auf ausgewählte alpine Pflanzengemeinschaften hatte und welche Faktoren im Rahmen eines lokalen Wasserhaushalts- und Schneemodells zu Beurteilung von Arealverschiebungen und anderen möglichen Auswirkungen des Klimawandels herangezogen werden können. Auch auf die Frage, ob alle Veränderungen ausschließlich auf den Klimawandel zurückgeführt werden müssen, werden Antworten gefunden.

In einem bunten Bilderreigen werden Ergebnisse zu den oben genannten Themenkomplexen vorgestellt: Geologische Veränderungen, Änderungen in Pflanzen- und Tiergemeinschaften, die Entwicklung von Wasserbilanz- und Schneebedeckungsmodellen bis hin zur Dokumentation von phänologischen Langzeitbeobachtungen. Rückgrat der Untersuchungen ist Netz von 25 Klimastationen (davon 15 Vollautomaten), deren Langzeitmessreihen Rückschlüsse, Verknüpfungen oder auch Korrelationen ermöglichen. Die erhobenen Daten fließen auch  in internationale Beobachtungsprogramme mit ein.

Aber, nur was man weiß, das sieht man. Alles Wissen über das “Funktionieren” von Ökosystemen ist nutzlos, wenn es auf Experten begrenzt bleibt. Gerade unsere derzeit mehr städtisch orientierte Gesellschaft braucht Anschauungsobjekte, um das Verständnis für natürliche Prozesse zu wecken bzw. zu verstärken. Daher sind weitere Kernpunkte unserer Nationalparkarbeit die Bereiche Information und Umweltbildung und somit finden die vorgestellten Ergebnisse in unserer tägliche Bildungsarbeit Anwendung.

Manchmal ist es etwas aufwändiger an Daten zu kommen

Manchmal ist es etwas aufwändiger an Daten zu kommen

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Extremereignisse sind natürlicher Bestandteil der ablaufenden Prozesse

Autoren:
Michael Vogel, Helmut Franz & Annette Lotz
Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, Doktorberg 6, 83471 Berchtesgaden

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