Dr. Felix Blumer, SRF METEO, Fernsehstrasse 1 - 4, CH-8052 Zürich

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Thomas Jordi, MeteoSchweiz, Flugwetterzentrale, Postfach, CH-8060 Zürich-Flughafen

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Alle sprechen von Erwärmung und in den Alpen scheinen in den letzten Jahren die Winter immer härter zu werden. Im vergangenen Winter gab es an vielen Orten in den Alpen neue Schneerekorde. Eindrücklich zeigte der Winter 2011/2012, dass Schneemengen und Temperaturen nicht in direktem Zusammenhang stehen. 

Die allgemeine Erwärmung, sowohl global als auch in Mitteleuropa, ist in aller Munde. Dazu passen aber die schneereichen Winter, wie wir sie in den letzten Jahren immer wieder in Mitteleuropa und vor allem auch im Alpenraum erlebt haben, so gar nicht ins Bild.

Winter werden eindeutig wärmer
An allen Schweizer Messstationen wurde seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts eine massive Erwärmung festgestellt. Für das Winterhalbjahr (Oktober – März) beträgt die Erwärmung momentan rund 1,5 Grad pro 100 Jahre. Stationen südlich der Alpen liegen deutlich unter dem allgemeinen Schnitt mit einer Rate von rund 1,2 Grad pro 100 Jahre. An vielen Stationen war seit Mitte der 80er-Jahre nur der Winter 2005/2006 kälter als die langjährige klimatologische Referenz der Jahre 1961 bis 1990.

Immer weniger Schnee?
Nach den extrem schneearmen Wintern zu Beginn der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde Wintersportdestinationen in einer Höhenlage von weniger als 1200 Metern das Aus prophezeit. Trotz dieser düsteren Prognose konnten die meisten Destinationen in diesem Höhenbereich den Betrieb aufrecht erhalten. Einerseits kamen effiziente Beschneiungsanlagen zum Einsatz, anderseits fielen die Winter in den 00er-Jahren bei weitem nicht so schneearm aus, wie befürchtet und prognostiziert. Allerdings sind eindeutige Aussagen zwischen der Mächtigkeit der Schneedecke und dem Temperaturverlauf sehr problematisch, da die Abschmelzrate nicht nur von der Temperatur sondern zu einem wesentlichen Teil von der Exposition abhängt. So kann beispielsweise an einem Südhang ein grosses Schneefallereignis rasch wieder abschmelzen, und der gleiche Hang kann danach während einer längeren Trockenperiode über Wochen aper daliegen, trotz Temperaturen im Minusbereich. Umgekehrt kann an einem Schattenhang Schnee sehr lange liegen bleiben trotz relativ hoher Temperaturen.

Indikator: Gesamtneuschneehöhe
Für diesen Beitrag wurde die Neuschneesumme des Winterhalbjahres als Referenz genommen. Für sämtliche Stationen gilt zwar die generelle Aussage, dass die Gesamtneuschneehöhe mit steigender Temperatur abnimmt. Allerdings ist die Streubreite extrem gross. Verfolgt man den Verlauf der Schneedecke über die letzten 80 Jahre, so ist der Trend allerdings sehr uneinheitlich. Vor allem Stationen an den zentralen und östlichen Voralpen weisen eine ansteigende Regressionsgerade auf. Der Fakt, dass die Gesamtneuschneehöhen an vielen Orten nicht abgenommen haben, dürfte damit zu tun haben, dass in den letzten Jahren an den meisten Orten die Gesamtniederschlagsmengen während der Wintermonate zugenommen haben. Als Paradebeispiel für diese Aussage kann der Winter 2011/12 auf der Alpennordseite angesehen werden. Bis Mitte Dezember war das Winterhalbjahr äusserst mild, und es war bis auf 2500 Meter hinauf praktisch aper. Danach drehte die Strömung auf Nordwest, und es gab grosse Schneemengen in den Alpen. Richtig kalt wurde es aber erst im Februar. Eisiger Nordostwind mit Tagestemperaturen deutlich unter -10 Grad dominierte das Wetter, allerdings gab es an einzelnen Stationen während des ganzen Monats keinen Niederschlag. Im März schmolz der Schnee, der schon im Januar gefallen war rasch dahin. Das Beispiel zeigt, dass für die Gesamtneuschneehöhe, das Niederschlagsverhalten mindestens so entscheidend ist, wie die Temperatur.

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