Fabian Walter, Institute des Sciences de la Terre, UJF­Grenoble

Fabian Walter, Institute des Sciences de la Terre, UJF­Grenoble

Steigende Luft­ und Meerestemperaturen haben in den letzten Jahren zu erheblichen Massenverlusten der polaren Eisschilde beigetragen. Der damit verbundene Meeresspiegelanstieg betrifft Menschen weltweit. Die Klimaänderung bewirkt jedoch auch auf regionaler Ebene einen erheblichen Wandel der Gletscherwelt. Zu diesem Wandel gehören insbesondere die Bildung und Veränderung von durch Gletscher gestauten Seen, welche ein hohes Gefahrenpotenzial für Menschen und Infrastruktur haben.

In dieser Präsentation stelle ich das Phänomen ‘Jökulhlaup’ vor. Diese isländische Terminologie bezeichnet die plötzliche und häufig rasante Entleerung von Seen, die durch Gletscher gestaut wurden. Solche Seeausbrüche treten praktisch überall auf der Welt auf, wo sich Gletscher und Eisschilde befinden und zumindest vorübergehend Wassermassen durch Eisdämme zurückgehalten werden. Bei einer Gletscherseeentleerung fliesst das Seewasser auf, unter und/oder durch den Gletscher und lässt den proglazialen Abfluss z. T. gefährlich anschwellen. Jökulhlaups sind äusserst schwierig vorherzusagen und können je nach Seegrösse und Ausbruchsmechanismus den Gletscherabfluss unterschiedlich stark und schnell verändern. Dadurch haben Ausbrüche von Gletscherseen in der Vergangenheit immer wieder zum Verlust von Menschenleben und/oder zu Sachschaden geführt hat. Auch in den Alpen besteht dieses Risiko, weswegen bereits umfangreiche glaziologische Studien durchgeführt wurden, um das Phänomen ‘Jökulhlaup’ besser zu verstehen und wenn möglich Frühwarnsysteme zu entwickeln.

Anhand des Fallbeispiels Gornergletscher beschreibe ich Resultate mehrjähriger Feldmessungen und numerischer Modellierung, die das Ziel haben, die verschiedenen Mechanismen eines Gletscherseeausbruchs zu identifizieren und zu beschreiben. Die Messungen zeigen, wie variable Seeausbrüche und deren Auslösemechanismen von einem Jahr zum anderen sind. Zudem beeinflusst das Fliessen der enormen Mengen an Seewasser den Gletscher selber. Es ändern sich z. B. die Wasserkanäle im und unter dem Eis und dadurch das Fliessverhalten des Gletschers. Auf der anderen Seite können sich durch hydraulische Kräfte Spalten und Risse bilden. Der Eisdamm wird dadurch geschwächt und kann verhältnismässig plötzlich die Wassermassen des Sees freigeben. Um diesen Mechanismus zu durchleuchten, wurde in einer Reihe von Messungen die seismische Aktivität auf dem Gletscher und am Gletscherbett gemessen. Trotz der daraus gewonnenen Erkenntnisse bleibt die Vorhersage eines Jökulhlaups eine Herausforderung an Wissenschaft und Technik. Das Auftreten von Gletscherseen birgt somit nach wie vor ein Risiko in den Alpen und anderen vergletscherten Regionen auf der Erde.

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