Elena Seydel

Elena Seydel

Am 3. Juli 2010 ereignete sich ein Starkregen im Einzugsgebiet des Mehlemer Bachs, der zu einer Sturzflut und weitreichenden Überschwemmungen in der Gemeinde Wachtberg und dem bonner Stadtteil Mehlem geführt hat. Ein Vergleich mit den Niederschlagsdaten des KOSTRA-DWD zeigt, dass der Starkregen bereits nach 30 Minuten die Niederschlagswerte eines 1000 jährigen Hochwassers erreichte. Sowohl die Bemessungswerte der Kanalisation als auch die Infiltrationsrate des Bodens wurden durch die Wassermasse überschritten und es entstanden Schäden in Millionenhöhe. Allerdings haben sich alleine in den letzten 80 Jahren bereits drei Sturzfluten ähnlicher Intensität im Einzugsgebiet des Mehlemer Bachs ereignet und weitere in regelmäßigen Abständen seit 1963.
Ein Vergleich der offiziellen Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes für die Stadt Bonn mit den Einsatzberichten der örtlichen Feuerwehr zeigt, dass die Wetterwarnungen nahezu zeitgleich mit Einsetzen des Regens stattgefunden haben. Im Fall von Sturzfluten sind sehr kurze bis keine Vorbereitungszeiten typisch, da diese sehr plötzlich auftreten. Im Einzugsgebiet des Mehlemer Bachs wurden die Bürger allerdings trotz wiederholter Erfahrung mit Sturzfluten laut eigener Aussage auch 2010 von den Wassermassen überrascht. Gleichzeitig wird die Wahrscheinlichkeit weiterer Sturzflutereignisse in der Zukunft von den Behörden als relativ hoch eingeschätzt.
Es stellte sich daher die Frage, wie die Risikokommunikation zwischen Bürgern und Behörden im Einzugsgebiet des Mehlemer Bachs optimiert werden kann, um den Bürgern in Zukunft eine adäquate Risikovorsorge sowohl durch die Behörden als auch in Form von Eigenvorsorge zu ermöglichen. Die Meinung der Bevölkerung zu den genannten Themen stand in dieser Studie im Vordergrund, da die Sicherheit von Gebäuden und öffentlichen Räumen zukünftig durch vorwiegend kommunikative und partizipatorische Maßnahmen unterstützt werden soll.
In diesem Zusammenhang sollte mit Hilfe von Befragungen betroffener Bürger im Einzugsgebiet des Mehlemer Bachs und der zuständigen Behörden ermittelt werden, welche Form von Risikokommunikation besonders hilfreich sein kann, um Bürgerinnen und Bürger über Handlungsmöglichkeiten im Falle einer Sturzflut, aber auch über Maßnahmen im Vorfeld zu informieren.
Außerdem wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durch das Makt- und Sozialforschungsinstitut infas in 15 ausgewählten Gebieten Deutschlands durchgeführt, die in den letzten Jahren bereits mindestens einmal von einer Sturzflut betroffen waren. In dieser Erhebung ging es neben Fragen zu Starkregen, Sturzfluten und Informationen zu einem solchen Ereignis auch

um Einschätzungen zu Themen bezüglich baulicher Sicherheit, persönlicher Betroffenheit von Katastrophen, sichernder Maßnahmen sowie Wohn- und Versicherungsaspekten. Eine ähnliche Befragung wurde bereits 2012 durchgeführt, sodass mit dieser zweiten Erhebung Vergleichswerte vorliegen.
Zusammengefasst können einige zentrale Resultate der Befragungen hervorgehoben werden. Die telefonische Erhebung durch infas hat ergeben, dass bei allen baulichen Maßnahmen zum Schutz der Trend erkennbar ist, dass diese Maßnahmen von einem früheren Ereignis stärker Betroffene häufiger verwenden. Sie schätzen ebenfalls die Gefahr, erneut von einer Sturzflut getroffen zu werden, höher ein als die übrigen Befragten. Nach Vorsorgemaßnahmen und Gebäudeschutz befragt, haben die Bürger einerseits relativ hohe Erwartungen an die Gemeinde. Andererseits sehen sie sich selbst aber auch in der Verantwortung. Auf die konkrete Frage, ob ein ernsthaftes Nachdenken über Gebäudeschutz persönlich schon stattgefunden habe, wird dies nur von etwas mehr als der Hälfte der Befragten bejaht. Mehr als ein Viertel der befragten Bürger gibt an, sich über das Thema Starkregen und Sturzfluten gut oder sehr gut informiert zu fühlen. Viele fühlen sich zu dem Thema jedoch nicht informiert und es ist für sie in der Alltagswahrnehmung nicht sonderlich präsent. Zudem besteht bei vielen Befragten Interesse an konkreten, teils sehr differenzierten Informationen. Sowohl die Nutzer traditioneller als auch neuerer Medien sind für Kommunikationsmaßnahmen potenziell erreichbar. Mehr als die Hälfte der Befragten hält freiwilliges Engagement bei einer Sturzflut in der direkten Wohnumgebung für wichtig und viele können sich sogar vorstellen, eine solche Aufgabe selbst zu übernehmen.
Auf der Grundlage der Befragungen sind Handlungsempfehlungen für einen partizipativen Risikodialog und die aktive Umsetzungsbereitschaft beteiligter Akteure im Einzugsgebiet des Mehlemer Bachs erstellt worden. Weiterhin ist in einem Experiment der Nutzen der Methode der Mental Maps für die Risikowahrnehmungsforschung erprobt worden.

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